Die NLB-Viertelfinalserie zwischen Aergera und Visp steht nach zwei Partien überraschend unentschieden. Mit drei Eigentoren hat sich Giffers selbst um die Früchte seiner Arbeit gebracht.
Michel Spicher, Freiburger Nachrichten
«Wir werden immer besser beim Schiessen von Eigentoren. Jetzt schaffen wir es schon, zweimal pro Spiel zu treffen», sagte Aergeras Trainer Richard Kaeser am Montagmorgen mit einer Mischung aus Galgenhumor und Frust. Vier Eigentore sind den Giffnerserinnen in den letzten drei Partien unterlaufen, zwei davon bei der 4:5-Niederlage nach Verlängerung in Visp. Es lief die 67. Spielminute, als eine Walliserin den Ball aus spitzem Winkel scharf vors Aergera-Gehäuse brachte, wo ihn eine Verteidigerin am zweiten Pfosten mit dem Körper ins eigene Tor ablenkte. «Wenn dich der Ball so trifft und reingeht, ist das Pech. Aber wir hätten die Situation vorher besser managen und den Pass verhindern müssen», sagte Kaeser.
Das Eigentor in der Verlängerung war indes nicht allein ausschlaggebend dafür, dass Giffers nach dem 4:2-Heimsieg am Samstag im zweiten Playoff-Viertfinal nicht nachdoppeln konnte. Schon in der 24. Minute sorgte ein Zusammenspiel von Pech und Unvermögen dafür, dass Aergera seine 2:1-Führung einbüsste. Mona Jungo wollte zwei Meter vor dem eigenen Gehäuse den Ball mit dem Stock abwehren, lenkte ihn aber stattdessen ins eigene Netz.
Auch nachdem Fabienne Aeschbacher ihr Team in der 43. Minute wieder mit 4:2 in Führung brachte, reichte es nicht zum Sieg. «Den Anschlusstreffer kassierten wir durch einen Sonntagsschuss, wie man ihn in zehn Jahren höchstens einmal zu sehen bekommt», so der Trainer. Als die Senslerinnen in der Schlussphase auch noch eine unnötige Strafe kassierten, mussten sie prompt 14 Sekunden vor Ende der Partie bei vier gegen sechs den Ausgleich hinnehmen. «Es hätte gar nie zur Verlängerung kommen dürfen. Wir hätten die Partie vorher entscheiden können, trafen aber einmal nur den Pfosten und dann das leere Tor nicht», haderte Richard Kaeser.
Das erste seiner vier Eigentore hatte Aergera vor einer Woche im letzten Qualifikationsspiel gegen Nesslau kassiert. Dieses hatte zur Folge, dass Giffers in die Verlängerung musste und jenen Punkt einbüsste, der am Ende zum Qualifikationssieg fehlte. Auch am Samstag beim ersten Viertelfinalduell gegen Visp landete der Ball einmal im falschen Netz und hätte die Senslerinnen beinahe um die Früchte ihrer Arbeit gebracht. Durch einen fulminanten Start waren sie nach 72 Sekunden in Führung gegangen, sie standen kompakt in der Defensive und agierten geduldig in der Offensive. Nach zwei Dritteln lag Aergera 3:0 vorne. Doch Visp brachte die Spannung unerwartet zurück, traf erst nach einer schönen Ballstafette (46.) und dann durch einen Ball, der vom Oberschenkel von Mona Jungo ins eigene Tor abgelenkt wurde (57.). «Durch den Ausfall von Carola Schmid, die sich den Fuss verknackste, sind wir kurzzeitig etwas aus der Spur geraten. Aber wir fingen uns rechtzeitig wieder und haben mit dem 4:2 für die Entscheidung gesorgt.
Nach zwei Viertelfinalduellen steht es zwischen Aergera und Visp etwas überraschend unentschieden. «Es sind die erwartet engen Spiele», sagte Richard Kaeser, «dennoch wollten wir nach diesem Wochenende 2:0 führen.» Das habe man nicht geschafft, es gebe aber keinen Grund, deswegen die Nerven zu verlieren. «Ich schaue immer, wie wir die Gegentore kassieren. An diesem Wochenende wurden sieben Mal bezwungen, drei waren Eigentore und eines ein Sonntagsschuss. Sowas passiert nicht jedes Wochenende.» Man werde die Leistung vom Sonntag natürlich hinterfragen und analysieren.
Zwei Wochen hat Richard Kaeser Zeit, die nötigen Schlüsse zu ziehen und sein Team auf die nächsten Duelle gegen Visp vorzubereiten. «Wenn nötig, nehmen wir kleine Anpassungen vor, aber wir werden sicherlich nicht den Fehler machen, wegen dieser Niederlage unsere Grundmauern zu erschüttern», sagte der Trainer. «Wir sind weiterhin Favorit und wollen diese Rolle nicht abgeben.» Wenn man Favorit sei, zeige dies, dass man zuvor etwas gut gemacht habe. «Wenn wir künftig die Eigentore vermeiden, wird es gut. Und sonst müssen wir halt vorne ein paar Treffer mehr erzielen. Auch das können wir.»
Telegramme
Aergera Giffers - Visp 4:2 (2:0, 1:0, 1:2)
Samstag. Sporthalle Giffers-Tentlingen, Giffers. - 180 Zuschauer. - SR: Wiederkehr/Zünd. Tore: 2. Klopfenstein (Götz) 1:0. 15. Aeschbacher (Houriet) 2:0. 25. Bertolotti (Aeschbacher) 3:0. 45. Heinzmann (Grichting) 3:1. 47. (Eigentor) 3:2. 57. Corpataux (Kolly) 4:2. Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Aergera.
Aergera Giffers: Schaad; Kohler, M. Jungo; Aeschbacher, Bertolotti, Houriet; Götz, Schmid; Schüpbach, Willener, Klopfenstein; Ulrich, L. Jungo; Riedo, Corpataux, Jana Kolly; Aeby, Vuagniaux; Biolley, Stegmaier, Müller.
Visp - Aergera Giffers 5:4 n.V. (1:2, 1:1, 2:1)
Sonntag. BFO Visp, Visp. - SR: Kammerer/Schmid. Tore: 7. Aeschbacher (Bertolotti) 0:1. 13. Heinzmann 1:1. 16. Biolley (Klopfenstein) 1:2. 24. (Eigentor) 2:2. 26. Bertolotti (Kohler) 2:3. 43. Aeschbacher (Kohler) 2:4. 57. Erpen (Kronig) 3:4. 60. Landmesser (Heinzmann) 4:4. 66. (Eigentor) 5:4. Strafen: 1-mal 2 Minuten gegen Aergera.
Aergera Giffers: Aebischer; Kohler, M. Jungo; Aeschbacher, Bertolotti, Houriet; Ulrich, L. Jungo; Riedo, Corpataux, Jana Kolly; Götz, Vuagniaux; Biolley, Willener, Klopfenstein; Aeby, Julia Kolly; Müller, Stegmaier.
NLB Frauen. Playoff-Viertelfinal (best of 5). Stand: Aergera Giffers (1.) - Visp (6.) 1:1. Nächste Spiele: Aergera - Visp Sa. 14.02. Visp - Aergera So. 15.02.