So hatte sich Aergera den Start in den Playoff-Final der NLB nicht vorgestellt. Die Senslerinnen verloren am Wochenende beide Spiele gegen Wasa St. Gallen und liegen in der Serie 0:2 hinten.
Lena Brügger, FN
Die Best-of-5-Serie begann am Samstag für Aergera mit einer Auswärtsniederlage. Die St. Gallerinnen gingen in der neunten Spielminute in Führung – und brachten diesen Vorsprung über die Zeit. Trotz zahlreicher Chancen gelang es Aergera kein einziges Mal, die gegnerische Torhüterin zu bezwingen. Stattdessen sorgten die Ostschweizerinnen in der letzten Minute für das 2:0-Schlussresultat.
Im Heimspiel am Sonntag galt es also für Giffers, die entsprechende Reaktion zu zeigen. Und das Vorhaben gelang: Im Unterschied zum ersten Spiel gehörte der Start des zweiten Finalspiels ganz klar den Senslerinnen. «Jetzt gerade fühlt es sich so an, als wären das im ersten die besten 20 Minuten gewesen, seit ich bei Aergera bin», sagte Cheftrainer Richard Kaeser nach dem Spiel.
In der 11. Minute gelang Aergera der erlösende erste Treffer in der Finalserie: Francine Riedo und Lisa Willener setzten sich im gegnerischen Slot zur erstmaligen Führung durch. Trotz mehr Ballbesitz und guter Chancen der Gegnerinnen vereitelte Aergera jeden Angriff der St. Gallerinnen – nicht zuletzt auch dank einer ausgezeichneten Goalieleistung von Vanessa Aebischer.
Auch die Offensivzeit wurde deutlich besser genutzt als noch am Vortag und dementsprechend belohnt. Fabienne Aeschbacher bediente Liv Corpataux, die zum 2:0 erhöhte. Doch der Zwei-Tore-Vorsprung aus dem ersten Drittel währte nicht lange.
In der 23. Minute verwertete Melanie Judas einen Abpraller und verkürzte auf 2:1. Immer wieder kamen die Giffersnerinnen vor dem eigenen Tor in Bedrängnis und hatten mit hartnäckigen Gegnerinnen zu kämpfen, die ihren Job im Slot hervorragend machten.
Auch das Pressing der St. Gallerinnen zeigte seine Wirkung. Bei der Auslösung unterlief Giffers ein Eigenfehler, Shannon Brändli staubte den Ball ab und glich zum 2:2 aus. Doch dem Heimteam gelang eine starke Reaktion. Auch Fabienne Aeschbacher machte den gegnerischen Verteidigerinnen das Leben dermassen schwer, dass es ihr schliesslich gelang, ihnen den Ball abzuluchsen. In Bilderbuchmanier legte sie auf für Margaux Houriet, die für den erneuten Führungstreffer sorgte.
Im Moment muss ich fast mehr die Gegnerinnen loben, als uns kritisieren.
Richard Kaeser, Trainer Aergera
Jetzt war die Partie so richtig in Fahrt geraten, denn Wasa schien ein Rezept gegen die Giffersner Defensive gefunden zu haben. Immer wieder schickten sie weite Bälle in Richtung Tor, wo eine Stürmerin bereits auf den Abpraller lauerte und diesen dann zielsicher verwertete. So auch beim erneuten Ausgleich von Brändli in der 33. Minute. Während Aebischer sich regelmässig mit starken Paraden in Szene setzte, konnte die Defensive den flinken St. Gallerinnen im Slot nicht immer standhalten. In der 37. Minute war es Miriam Neff, die einen weiten Ball von Lara Longatti ins Lattenkreuz jagte und den Giffersnerinnen keine Chance liess.
Nach den ersten 40 Minuten agierte Aergera mit zwei Linien. Zwar dauerte es zunächst ein wenig, bis sich die neuen Formationen gefunden hatten, als Giffers dann jedoch wieder im Spiel war, kam die Defensive des Gastteams gehörig ins Schwimmen. Das Duo Houriet/ Aeschbacher überzeugte erneut und glich die Partie zum 4:4 aus. Auch die dritte Linie konnte nun wieder mittun.
Doch die Gäste liessen keinen Millimeter nach. Immer wieder waren die Giffersnerinnen auf den bombensicheren Rückhalt ihrer Torhüterin, eine solide Defensive und manchmal sogar auf die Torumrandung angewiesen. Dann folgte der St. Galler Doppelschlag: Zunächst überlisteten Bea Taipale und Shannon Brändli die Heimmannschaft mit einer schönen Kombination. Knapp eine Spielminute später war es wieder Taipale, die vergessen ging, bedient wurde, und zum 4:6 einnetzte.
Vom Zwei-Tore-Rückstand liessen sich die Giffersnerinnen nicht beeindrucken und agierten ab der 57. Spielminute mit einer sechsten Feldspielerin. Ein Treffer liess allerdings bis zur 60. Minute auf sich warten. Schliesslich war es Jana Kolly, die mit einem platzierten Schuss die St. Gallerinnen alt aussehen liess. Doch letztlich lief der Heimmannschaft die Zeit davon. So gewann Wasa St. Gallen mit 6:5 auch das zweite Spiel.
«Es ist extrem bitter. Ich finde, wir haben eine gute Reaktion auf gestern gezeigt, aber es war immer noch zu wenig», bilanzierte Cheftrainer Kaeser nach dem Spiel. «Wir haben so viele Dinge so gut gemacht, das erste Drittel war so richtig gut.» Im zweiten Drittel hätten die Gäste Giffers aber eine Aufgabe gestellt. «Man hat ihre individuelle Klasse extrem gut gesehen. Die Hypothek war dann einfach zu gross.» Zwar seien die Chancen am Schluss da gewesen, man hätte sie auch noch in Verlegenheit bringen können, aber gegen ein Wasa, das so auftrete, sei es extrem schwierig.
«Im Moment muss ich fast mehr die Gegnerinnen loben, als uns kritisieren.» Eine solche Niederlage sei brutal. «Aber ich bin überzeugt: Wenn wir mit der gleichen Energie auftreten, dann ist alles möglich. Es war schon zwei Mal so knapp, und wir haben mit dem Spiel heute gezeigt, was wir können», so Kaeser.
Das dritte Spiel der Best-of-Five-Serie findet am Donnerstagabend in St. Gallen statt. Sollte Wasa auch dieses Spiel für sich entscheiden können, gehört der Meistertitel den St. Gallerinnen.
Spiel 1:
Wasa St. Gallen vs. UH Aergera Giffers 2:0 (1:0, 0:0, 1:0)
Sporthalle Tal der Demut St. Gallen. SR: Camenzind / Wild. 188 Zuschauende.
Tore: 9.Taipale (Buchegger) 1:0. 60.Buchegger (Brändli).
Strafen: 1 Mal 2- Minuten gegen Aergera Giffers.
Spiel 2:
UH Aergera Giffers vs. Wasa St. Gallen 5:6 (2:0, 1:4, 2:2)
Damen NLB. Playoff-Final Spiel 2. MZG Alterswil. SR: Gubser / Bösch. 337 Zuschauende.
Tore: 11.Willener (Riedo) 1:0. 18.Corpataux (Aeschbacher) 2:0. 23.Judas (Magyar) 2:1. 27.Brändli 2:2. 29.Houriet (Aeschbacher) 3:2. 33.Brändli (Taipale) 3:3. 37.Neff (Longatti) 3:4. 44.Houriet (Aeschbacher) 4:4. 53.Taipale (Brändli) 4:5. 54. Taipale (Leppanen) 4:6. 60. Kolly (Corpataux) 5:6.
Strafen: keine.