Die letzten Qualifiktionsspiele sind Aergera Giffers nicht wunschgemäss geglückt, in den Playoffs kommt es trotzdem zum Duell gegen Wunschgegner Visp.
Michel Spicher, Freiburger Nachrichten, 26.01.2026
«Es werden zwei richtige Härtetests im Hinblick auf die Playoffs sein», hatte Aergera-Trainer Richard Kaeser vor der abschliessenden Doppelrunde am Wochenende gesagt. Als Tabellenleader stiegen die Gifferserinnen in die letzten beiden Quali-Spiele gegen Wasa St. Gallen und die Nesslau Sharks und versuchten, ihren Platz zu verteidigen. Gelungen ist ihnen das nicht: Weil sie am Samstag bei Wasa mit 1:5 verloren und tags darauf in Nesslau einen Zähler liegenliessen, mussten sie Wasa punktemässig aufschliessen lassen. Aufgrund des besseren Torverhältnisses (19:12) schliessen die Ostschweizerinnen die Regular Season als Erste ab.
Enttäuscht ob der verlorenen Pole-Position ist der Trainer allerdings nicht. «Nach dem schlechten Saisonstart mussten wir befürchten, sogar das Heimrecht für den Viertelfinal zu verpassen. Dass wir am Ende punktgleich mit dem Leader sein würden, hätte damals niemand für möglich gehalten.»
Richard Kaeser wurmt es mehr, dass sein Team die beiden Härtetests nicht ganz bestanden hat. «Mit St. Gallen waren wir lange auf Augenhöhe, konnten mit einem knappen 1:2-Rückstand ins letzte Drittel. Dann spielten wir aber leider nicht mehr gradlinig genug und haben den Zug aufs Tor verloren.» Mit drei Toren im letzten Abschnitt sorgte St. Gallen für ein deutliches 5:1-Resultat, das die wahren Stärkeverhältnisse allerdings nicht richtig widerspiegelt.
Ärgerlicher war der Punktverlust tags darauf in Nesslau, ohne den Aergera noch an der Spitze stehen würde. Bis zur 52. Minute führten die Senslerinnen mit 4:1, ehe die Sharks mit zwei Toren innerhalb von zwei Minuten auf 3:4 verkürzten. «Sie haben plötzlich wieder Morgenluft geschnuppert und uns mit ihrer Härte aus dem Konzept gebracht», blickt Kaeser zurück. Bei Giffers war plötzlich der Wurm drin, und wie so oft in solchen Situationen gesellte sich auch noch Pech dazu: Nesslaus Ausgleich zum 5:5 war ein Eigentor der Gäste. «Wir waren auf dem Laufenden, wie es in den anderen Spielen stand, und wussten, dass wir zwei Punkte brauchen, um in der Tabelle zumindest in den Top 2 zu verbleiben. Mit viel Einsatz haben wir uns schliesslich in die Verlängerung gerettet.» Dort fing sich Aergera wieder und Margaux Houriet sicherte ihrem Team nach viereinhalb Minuten auf Zuspiel von Fabienne Aeschbacher den so wichtigen Zusatzpunkt.
Nach dem Match hatte Giffers eine Stunde Zeit, um sich zu überlegen, gegen wen sie in den Viertelfinals spielen wollen. Anders als in den meisten Sportarten, wo das bestklassierte Team automatisch gegen das am schlechtesten klassierte trifft, können im Unihockey die Teams in der Reihenfolge ihrer Quali-Rangierung ihren Gegner wählen. Wasa St. Gallen wählte das achtplatzierte Rümlang-Regensdorf, Aergera entschied sich für das sechstplatzierte Visp. «Visp war von Anfang an unser Wunschgegner, insofern waren wir nicht so enttäuscht, dass wir nur Zweite geworden sind.» Der Trainerstaff, der vorgängig die Meinungen des Captainteams bezüglich Viertelfinalgegner eingeholt hat, zog Visp dem siebtplatzierten Bremgarten vor. «Bremgarten ist ein unglaublich unangenehmer Gegner, den wollten wir möglichst vermeiden», verrät Richard Kaeser. «Auch Zäziwil, das nach uns wählen konnte, zog das fünftklassierte Nesslau den siebtplatzierten Aargauerinnen vor.»
Viel Zeit, sich auf die Viertelfinals gegen Visp vorzubereiten, hat Giffers nicht. Bereits am kommenden Wochenende werden die ersten beiden Partien der «Best-of-5»-Serie ausgetragen. «Wir haben am Sonntagabend auf der langen Carfahrt heim schon etwas über unseren Gegner gesprochen», sagt der Headcoach. «Den Montag investiere ich für die Vorbereitung, damit wir am Dienstagabend im Training die Playoffs in Angriff nehmen können.» Dann werde man auch gemeinsam besprechen, wohin der Weg gehen solle. «Das Team kann ohne mich etwas erreichen, ich ohne das Team nicht», sagt Richard Kaeser. «Den Spielerinnen irgendein Ziel aufzuzwingen oder gar vom Aufstieg zu reden, wenn die Spielerinnen gar nicht in die NLA wollen, bringt nichts. Das Team muss bei allem dahinterstehen.»
Letzte Saison war zu Beginn der Playoffs klar, wohin der Weg nicht gehen würde: in die NLA. Der Verein hatte frühzeitig beim Verband seinen Aufstiegsverzicht eingereicht. Darauf hat er diese Saison verzichtet.
Telegramme
Wasa St. Gallen - Aergera 5:1 (0:0, 2:1, 3:0)
Sporthalle Tal der Demut, St. Gallen. - 77 Zuschauer. - SR: Riedweg/Wyss. Tore: 24. Ott (Brändli) 1:0. 26. Ulrich (J. Kolly) 1:1. 31. Brändli 2:1. 43. Neff 3:1. 48. Longatti (Hug) 4:1. 55. Brändli (Wagner) 5:1. Strafen: je 1-mal 2 Minuten.
Nesslau - Aergera 4:5 n.V. (1:0, 0:2, 3:2)
Sonntag. Sporthalle Büelen, Nesslau. - SR: Riedweg/Wyss. Tore: 9. Müggler (Honegger) 1:0. 29. Schüpbach (Klopfenstein) 1:1. 39. Klopfenstein 1:2. 41. Schüpbach (Bertolotti) 1:3. 47. Willener (Götz) 1:4. 52. Müggler (Poláková) 2:4. 54. Poláková (Müggler) 3:4. 56. (Eigentor) 4:4. 65. Houriet (Aeschbacher) 4:5. Strafen: je 1-mal 2 Minuten.
Frauen. NLB. Schlussrangliste Qualifikation (alle 18 Spiele): 1. Wasa St. Gallen 36 (+19). 2. Aergera Giffers 36 (+12). 3. Lejon Zäziwil 35. 4. Basel Regio 34. 5. Nesslau 31. 6. Visp 25. 7. Bremgarten 23. 8. Rümlang-Regensdorf 22. 9. Appenzell 18. 10. Frauenfeld 10.
Playoff-Viertelfinals (Best of 5): Aergera Giffers - Visp. Wasa St. Gallen - Rümlang-Regensdorf. Zäziwil - Nesslau. Basel Regio - Bremgarten.